Wie LooNow ein Alltagsproblem zum skalierbaren Startup macht

Jeder kennt den Moment: Man ist unterwegs und muss plötzlich dringend auf Toilette. Digitale Orientierung? Fehlanzeige. Genau aus dieser scheinbar banalen Alltagssituation heraus ist LooNow entstanden. Gegründet wurde das Stuttgarter Startup von Dennis Hollmann mit einem ungewöhnlichen Ansatz. Statt neue Infrastruktur zu bauen, vernetzt LooNow das, was bereits da ist: öffentliche Toiletten auf der einen Seite und kostenpflichtige WCs in Cafés und Restaurants auf der anderen. Mit einem klaren Marketplace‑Modell macht LooNow urbane Infrastruktur digital sichtbar und zeigt, dass selbst alltägliche Probleme enormes Innovationspotenzial bergen. Im Interview spricht Dennis Hollmann über die Entstehung der Idee, das Arbeiten als Solo-Gründer mit KI Unterstützung und warum Stuttgart der perfekte Ausgangspunkt für LooNow ist.

© LooNow
Dennis Hollmann ist Gründer von LooNow, einem Marketplace für öffentliche und Premium-Toiletten.

Bitte stelle dein Startup kurz vor. Was steckt hinter LooNow?

LooNow ist ein Marketplace für öffentliche und Premium-Toiletten. Die Grundidee ist denkbar einfach: Airbnb hat keine Hotels gebaut, Uber keine Autos gekauft – und wir bauen keine Toiletten. Wir verbinden, was schon da ist.

Auf einer einzigen Karte zeigen wir mehr als 130.000 öffentliche Toiletten europaweit – gratis und frei zugänglich, markiert mit grünen Pins. Ergänzt wird das durch blaue Pins: Premium-Toiletten in Cafés und Restaurants. Hier erhalten Nutzer*innen Zugang ab 1,50 Euro. Die Partner-Cafés bekommen 50 Prozent Umsatzbeteiligung pro Nutzung, ohne zusätzlichen Aufwand außer einem QR-Code an der Toilettentür.

Unser Mantra lautet: Grün bedeutet kostenlos. Blau bedeutet Premium. Wer unterwegs ist, braucht keine komplizierte Erklärung – ein Blick auf die Karte reicht. LooNow ist als Progressive Web App umgesetzt, ein App-Download ist nicht nötig.

Wann und wie ist die Idee entstanden, LooNow zu gründen?

Die Idee entstand aus einem ganz banalen Alltagsmoment. Man ist in der Stadt unterwegs, braucht dringend eine Toilette – und merkt, dass genau hier etwas fehlt, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: eine einfache, verlässliche Orientierung. Ich lebe in Stuttgart und habe mich oft gefragt, warum dieses elementare Bedürfnis digital so schlecht gelöst ist. Parallel wurde mir klar: Es geht nicht nur darum, irgendeine Toilette zu finden. Es geht darum, eine zu finden, an der man sich wohlfühlt. Eine Premium-Toilette bei LooNow ist sauber, riecht gut und fühlt sich nicht wie ein Notbehelf an.

Den Schritt zur Gründung hätte ich früher nicht gewagt. Erst mit den heutigen KI‑Tools wurde es realistisch, ein solches Projekt als Solo‑Gründer neben dem Hauptberuf umzusetzen. Das war der eigentliche Auslöser.

Was macht LooNow einzigartig im Vergleich zu anderen Anbietern?

Viele Toilettenfinder sind einfache Verzeichnisse. LooNow ist deutlich mehr.

Erstens verfolgen wir eine Art Marketplace‑Modell, das öffentliche Toiletten und bestehende Ressourcen wie Cafés und Restaurant systematisch verbindet. Zweitens trennen wir klar zwischen Verfügbarkeit und Erlebnis: grün für „schnell und kostenlos“, blau für „bewusst und angenehm“. Diese Logik gibt es so bislang nicht. Drittens starten wir mit einer europaweiten Datenbasis von über 130.000 Standorten. Andere Player starten lokal und arbeiten sich hoch. Viertens verzichten wir bewusst auf eine App‑Installation. Und fünftens gibt es den „Café‑Discovery‑Effekt“: Nutzer*innen entdecken Cafés, die sie sonst nie betreten hätten – und kommen oft später als zahlende Gäste zurück. Das ist ein Mehrwert, den klassische WC‑Finder nicht bieten.

Wie groß ist dein Team aktuell? Wie hast du dein Team zusammengestellt?

Wir sind „eine Person plus KI‑Stack“. Ich nenne das gerne „Solo‑Gründer, AI Agent Super Charged“. Im Hintergrund arbeite ich mit verschiedenen KI‑Assistenten für Strategie, Text, Entwicklung, Design, Video und Voice-over. Was früher ein klassisches Team aus mehreren Rollen gebraucht hätte, orchestriere ich heute selbst. Ich entscheide, was gebraucht wird, die KI unterstützt bei der Umsetzung. Diese Arbeitsweise ist kein Marketing-Slogan, sondern gelebter Alltag.

Was hat dich dazu bewogen, in der Region Stuttgart zu gründen?

Stuttgart ist mein Lebensmittelpunkt – hier ist mir das Problem zum ersten Mal wirklich bewusst geworden. Gleichzeitig ist die Stadt ein idealer Pilotmarkt für LooNow: eine kompakte Innenstadt, hohe Besucherfrequenz, ein bekanntes Toilettenproblem und eine lebendige Café‑Szene mit vielen inhabergeführten Betrieben. Hier können wir das Marketplace‑Modell real testen und beweisen. Erst lokal funktionieren. Dann regional verdichten. Danach national standardisieren. Und anschließend international ausrollen. Genau in dieser Reihenfolge.

Wie stellst du dir die nahe und ferne Zukunft für LooNow vor?

Der Expansionsplan ist bewusst klar aufgebaut: Stuttgart ⇒ Süddeutschland ⇒ Deutschland ⇒ Europa ⇒ global.

In den nächsten zwölf Monaten wollen wir Stuttgart als bewiesenen Pilotmarkt etablieren, mit 30 bis 50 Premium‑Partner‑Cafés und einer aktiven Nutzerbasis. Langfristig wollen wir das Airbnb für Toiletten werden – ein Marketplace, der so selbstverständlich genutzt wird wie Google Maps.

Hast du ein unternehmerisches Vorbild?

Ja: Airbnb. Nicht wegen der App, sondern wegen des Mindsets. Airbnb hat vorhandene Infrastruktur intelligent verbunden und daraus einen globalen Marketplace geschaffen. Genau das machen wir mit Toiletten. Cafés gibt es. Öffentliche WCs gibt es. Was fehlte, war die Brücke. Unser Ziel ist ein Modell, von dem alle profitieren: Nutzer, Partner‑Cafés und Städte.

Was sind die drei wichtigsten Eigenschaften, die dich als Gründer auszeichnen?

Erstens ein starkes Entrepreneurial-Designer‑Mindset – ich sehe Alltagsprobleme als Produktideen. Zweitens Architectural Thinking aus meinem Hauptberuf, also die Fähigkeit, komplexe Systeme auf das Wesentliche zu reduzieren. Und drittens pragmatische Disziplin: LooNow entsteht nicht durch große Gesten, sondern durch konsequente kleine Schritte – Woche für Woche.

Jetzt ausprobieren: Finde mit LooNow die nächste Toilette – kostenlos oder Premium. https://loonow.app/