MALU: Ein geschützter Raum für das, was Menschen wirklich beschäftigt

Wie schafft man einen digitalen Ort, an dem Menschen offen über Sorgen, Gedanken und persönliche Themen sprechen können – ohne Klarnamen, ohne Selbstdarstellungsdruck und ohne in der Masse klassischer sozialer Netzwerke unterzugehen?

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Wie schafft man einen digitalen Ort, an dem Menschen offen über Sorgen, Gedanken und persönliche Themen sprechen können – ohne Klarnamen, ohne Selbstdarstellungsdruck und ohne in der Masse klassischer sozialer Netzwerke unterzugehen? Mit MALU entwickelt Gründer Mario Klauderoti in Stuttgart ein anonymes soziales Netzwerk, das Austausch, Unterstützung und Orientierung miteinander verbinden will.

Manchmal braucht es nicht sofort eine Lösung. Manchmal braucht es zunächst jemanden, der zuhört – oder zumindest einen Ort, an dem man aussprechen kann, was einen beschäftigt. Genau hier setzt MALU an.

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„Viele Menschen tragen Gedanken, Sorgen oder persönliche Themen mit sich herum, finden aber keinen passenden Ort, um darüber zu sprechen“, sagt Gründer Mario Klauderoti. Klassische soziale Netzwerke seien dafür häufig zu öffentlich, zu laut oder zu stark auf Selbstdarstellung ausgerichtet. Gleichzeitig sei professionelle Unterstützung nicht immer unmittelbar verfügbar – und für manche Menschen zunächst mit einer hohen Hemmschwelle verbunden.

MALU soll genau dazwischen ansetzen: als niedrigschwelliger, anonymer und geschützter Raum für ehrlichen Austausch und Orientierung.“

Zwischen sozialem Netzwerk und Orientierungshilfe

MALU versteht sich als anonymes soziales Netzwerk, bei dem nicht Reichweite, öffentliche Profile oder die eigene Inszenierung im Mittelpunkt stehen. Nutzerinnen und Nutzer sollen Gedanken und persönliche Themen teilen, sich austauschen und Gemeinschaft finden können, ohne unter ihrem Klarnamen auftreten zu müssen.

Dabei verfolgt Klauderoti noch ein zweites Ziel: MALU soll perspektivisch nicht nur den Austausch untereinander ermöglichen, sondern auch den Weg zu professioneller Unterstützung erleichtern.

„Es gibt Plattformen für Austausch. Und es gibt Verzeichnisse oder Informationsangebote für Hilfe. MALU soll langfristig beides zusammenbringen.“

Geplant ist deshalb auch eine Orientierung zu Beratungsstellen, therapeutischen Angeboten, Kliniken und weiteren Anlaufstellen.

Eine Abgrenzung ist Klauderoti dabei besonders wichtig: „MALU ersetzt keine Therapie, keine medizinische Beratung und keinen Krisendienst.“ Die Plattform soll vielmehr ergänzen – durch Austausch, Verbindung und einen möglichst einfachen Zugang zu Informationen über weiterführende Angebote.

Eine Idee aus der Corona-Zeit

Die ersten Gedanken zu MALU entstanden bereits 2020. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Erfahrungen von Isolation und Unsicherheit machten für Klauderoti sichtbar, wie schwierig es sein kann, mit belastenden Gedanken oder innerem Druck allein zu bleiben.

„Aus dieser persönlichen Erfahrung entstand der Wunsch, einen Ort zu schaffen, den ich mir selbst in bestimmten Momenten gewünscht hätte: einen geschützten digitalen Raum, in dem Menschen anonym schreiben können, was sie beschäftigt, ohne direkt mit ihrem echten Namen aufzutreten oder sich erklären zu müssen.“

Aus dieser Überlegung entwickelte sich nach und nach das Konzept für MALU.

Der entscheidende Aha-Moment war dabei weniger eine technische Erkenntnis als eine menschliche: „Viele Menschen brauchen nicht unbedingt sofort eine fertige Lösung, sondern zuerst einen Ort, an dem sie sich verstanden fühlen können.“

Für Klauderoti bedeutet Anonymität deshalb nicht Regellosigkeit. Im Gegenteil: „Anonymität sollte nicht bedeuten, dass alles erlaubt ist, sondern dass Menschen geschützt werden, die sich öffnen möchten.“

Von der Idee zur Beta-Plattform

Inzwischen ist aus dem Konzept eine funktionierende Plattform geworden. MALU befindet sich in der Beta-Phase und wird von ersten Nutzerinnen und Nutzern getestet.

Umgesetzt sind bereits die anonyme Registrierung, Feed-Beiträge, Kommentare und Reaktionen sowie News, Updates und Feedback-Funktionen. Nutzerinnen und Nutzer können zudem eigene Gruppen erstellen und Communities entdecken.

Parallel arbeitet Klauderoti weiter an Nutzerführung, Moderation, Sicherheit und den rechtlichen Grundlagen der Plattform.

Der Start der Beta war für ihn deshalb ein besonderer Moment: „Aus einer Idee, die schon seit 2020 im Kopf war, wurde eine funktionierende Plattform, die echte Menschen testen können.“

Bemerkenswert ist dabei auch, wie MALU bislang entstanden ist. Klauderoti baut das Startup derzeit ohne großes Team, Agentur oder Investor im Hintergrund auf.

„Vieles wurde Schritt für Schritt selbst aufgebaut, getestet, angepasst und weiterentwickelt. Dieser Beta-Start war deshalb nicht nur ein technischer Schritt, sondern auch der Moment, in dem MALU von einer Vision zu einem realen digitalen Raum wurde.“

Gründen heißt: viele Rollen gleichzeitig übernehmen

Gerade die Verbindung von Anonymität und sensiblen persönlichen Themen macht die Entwicklung allerdings anspruchsvoll. Denn bei MALU geht es nicht nur darum, eine technisch funktionierende Community-Plattform aufzubauen.

MALU berührt mentale Gesundheit, Anonymität und persönliche Themen. Deshalb reicht es nicht, einfach nur eine Plattform zu bauen. Es geht um Vertrauen, Sicherheit, Datenschutz, klare Regeln, Missbrauchsprävention und eine Sprache, die Menschen nicht abschreckt.“

Diese Komplexität habe durchaus zu Momenten geführt, in denen das Projekt überwältigend erschien. Technik, Datenschutz, Moderation, Kommunikation und Verantwortung müssen gleichzeitig berücksichtigt werden.

Eine wichtige Erkenntnis aus der bisherigen Entwicklung: Nicht alles lässt sich vorab planen.

„Ich habe gelernt, dass man ein Projekt wie MALU nicht perfekt im stillen Kämmerlein fertig bauen kann. Man muss früh testen, Feedback ernst nehmen und bereit sein, Dinge neu zu denken.“

Gerade in der Beta-Phase betrachtet Klauderoti Fehler deshalb als Teil des Entwicklungsprozesses: Sie zeigen, „was verständlicher, sicherer oder nutzerfreundlicher werden muss“.

Hinzu kommt eine Erfahrung, die wohl viele Solo-Founder kennen: „Man ist nicht nur Gründer, sondern auch Produktentwickler, Kommunikator, Support, Tester, Stratege und manchmal auch Krisenmanager.“

Stuttgart als Ursprung und Ausgangspunkt

Eng verbunden ist MALU mit der Region Stuttgart. Klauderoti wurde in Stuttgart geboren und baut das Projekt von hier aus auf.

„Die Region Stuttgart ist für MALU nicht nur Standort, sondern Ursprung.“

Dabei schätzt er insbesondere die Kombination aus wirtschaftlicher Stärke, Hochschulen, Fachwissen und Netzwerken. Gerade für ein junges Startup seien Kontakte und Sichtbarkeit entscheidend.

„Für ein junges Projekt in der Beta-Phase ist es wichtig, Feedback, Kontakte und neue Perspektiven zu bekommen. Genau solche Netzwerke helfen dabei, ein Projekt nicht isoliert aufzubauen, sondern früh mit relevanten Menschen und Institutionen in Kontakt zu kommen.“

Auch die Sichtbarkeit und Vernetzung durch Startup Region Stuttgart seien in dieser Phase wertvoll.

Gleichzeitig sieht Klauderoti bei sehr frühen digitalen Projekten Herausforderungen: Sie benötigen Zugang zu passenden Kontakten sowie Unterstützung bei Finanzierung, Kommunikation und beim Aufbau professioneller Strukturen.

Vom Stuttgarter Projekt zum Netzwerk für den DACH-Raum

Die nächsten Schritte sind bereits definiert. Die Beta-Version soll weiter ausgebaut, zusätzliches Nutzerfeedback gesammelt und insbesondere an Sicherheit und Moderation gearbeitet werden. Hinzu kommen die Überarbeitung rechtlicher Grundlagen, neue Community-Funktionen und die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzierungsmodells.

Dafür sucht Klauderoti Unterstützung und Know-how unter anderem in den Bereichen Entwicklung, IT-Security, Datenschutz, Moderation, Support, Redaktion, Social Impact und Kommunikation. Auch strategische Partnerschaften sowie perspektivisch Fördermöglichkeiten und passende Investoren sind interessant.

Das langfristige Ziel ist ambitioniert: MALU soll sich zu einem etablierten anonymen Netzwerk für den deutschsprachigen Raum entwickeln – mit einer aktiven Community und einem Verzeichnis professioneller Hilfsangebote.

„In zwei bis drei Jahren soll MALU ein etabliertes anonymes Netzwerk im deutschsprachigen Raum sein, das Menschen niedrigschwelligen Austausch und Orientierung ermöglicht.“

Was Klauderoti dabei antreibt, ist letztlich derselbe Gedanke, mit dem MALU begonnen hat: „Die Vorstellung, dass MALU für Menschen ein Ort werden kann, an dem sie sich weniger allein fühlen.“

Und sein Rat an andere Gründerinnen und Gründer?

„Nicht warten, bis alles perfekt ist. Eine Idee wird oft erst durch echtes Feedback klarer. Gleichzeitig sollte man ehrlich mit den eigenen Grenzen umgehen und gezielt Menschen suchen, die in bestimmten Bereichen mehr Erfahrung haben.“

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