Das Stuttgarter Startup HeyCarla setzt dort an, wo digitale Lösungen bislang selten angekommen sind: es entwickelt eine Software-Komplettlösung für Alltagshilfe- und Betreuungsdienste – eine Branche, die vielerorts noch mit Papierstapeln, Excel-Tabellen arbeitet. Prozesse wie Einsatzplanung, Zeiterfassung, Dokumentation oder Abrechnung sind so zeitintensiv, fehleranfällig und schwer skalierbar. Gründer Talat Jashanica kennt diese Realität aus erster Hand. Anfang 2023 baute er selbst einen Betreuungsdienst auf. Schon nach kurzer Zeit betreute er mit seinem Team 150 Klienten – eine administrative Herkulesaufgabe. „Ich habe zuerst alles auf Papier organisiert, in Excel-Tabellen eingetragen, vieles manuell erledigt“, erinnert er sich. „Der Aufwand war enorm.“
Auf der Suche nach einer passenden Software stieß er schnell auf eine Marktlücke: Viele bestehende Lösungen richten sich an klassische Pflegeanbieter oder andere Segmente der Sozialbranche. „Ich habe keinen Anbieter gefunden, der wirklich die Abläufe und Bedürfnisse von Alltagshilfe- und Betreuungsdiensten abbildet“, sagt Jashanica. Genau hier setzt HeyCarla an. „HeyCarla ist die Software-Komplettlösung für Alltagshilfe- und Betreuungsdienste, um Planung, Dokumentation und Abrechnung einfach und effizient zu digitalisieren“, beschreibt Jashanica den Kern der Plattform, die er zusammen mit seinem späteren Co-Founder Fetah Jusufi entwickelt hat. HeyCarla ist so konzipiert, dass sie den gesamten administrativen Ablauf eines Dienstes abbildet – von der ersten Einsatzplanung bis zur fertigen Abrechnung.

Was HeyCarla aus Sicht der Gründer besonders auszeichnet, ist der konsequente Branchenfokus. „HeyCarla wurde aus der Branche für die Branche entwickelt“, erklärt Jashanica. Die Software ist bewusst intuitiv gehalten und bildet praxisnahe Abläufe ab, sodass alltägliche Verwaltungsprozesse deutlich schneller und fehlerärmer ablaufen. „Viele bestehende Systeme sind überladen, kompliziert oder technisch veraltet“, sagt er. „Wir kennen die Herausforderungen aus erster Hand und möchten deshalb die bestmögliche Software für unsere Kunden bauen.“
Hinter HeyCarla steht heute ein zwölfköpfiges Team. Das Kernteam besteht aus CEO Talat Jashanica und CTO Fetah Jusufi, der ursprünglich aus dem Kosovo stammt und zuletzt bei einem IT- Dienstleister als CTO tätig war. Dort haben sich die beiden Gründer auch kennengelernt, als Talat Jashanica bei der Firma ein duales Studium absolvierte. Aus gemeinsamen Projekten entstand eine enge Zusammenarbeit – und das Fundament für das heutige Startup. „Wir ergänzen uns ideal – er mit dem IT-Hintergrund und ich mit dem Branchenverständnis“, sagt Jashanica. Ihre gemeinsame Stärke beschreibt er so: „Wir sind praxisorientiert, fokussiert auf Lösungen und setzen Kundenfeedback konsequent um.“

Erste Markterfolge ließen nicht lange auf sich warten: Der MVP ging Anfang 2024 live, der offizielle Markteintritt folgte im Januar 2025. Seitdem wächst HeyCarla kontinuierlich: Rund 100 Unternehmen setzen die Software bereits täglich ein. Ein frühes Highlight war ein Pitch gegen etablierte Wettbewerber bei einem Anbieter mit über 400 Mitarbeitenden – den HeyCarla für sich entschied. „Das hat uns gezeigt, dass unser Ansatz mit dem expliziten Branchenfokus richtig ist“, sagt Jashanica. Ein weiterer Meilenstein war die Zusage von „Die Alltagsbegleiter“, einem der größten Betreuungsnetzwerke Deutschlands mit über 54 Standorten.
Auch finanziell entwickelte sich HeyCarla solide. Die erste Finanzierungsrunde war, so Jashanica, „entscheidend, weil hier gewissermaßen Zwischenbilanz gezogen wird“. Mit Pre-Seed-BW erhielt das Startup wichtige Unterstützung. Doch für ihn ist klar: Die wahre Herausforderung besteht im Alltag. „Als Unternehmer begegnet man täglich neuen Herausforderungen. Hier muss man pragmatisch Lösungen finden und konsequent weitermachen.“

Wichtige Unterstützung erhielt das Team aus der Region Stuttgart. Talat Jashanica stammt aus der Metropolregion und hat in der Region Stuttgart studiert. „Daher war Stuttgart für uns die erste Wahl.“ Über die Startup-Initiative der Hochschule der Medien konnte sich HeyCarla für das EXIST-Programm bewerben – mit Erfolg. „EXIST hat uns finanzielle Sicherheit und persönliche Förderung gegeben. Das können wir jedem empfehlen“, sagt Jashanica. Auch das regionale Ökosystem hat für ihn besondere Qualitäten: „Das Ökosystem in Stuttgart ist offen und dynamisch. Hier werden keine Luftschlösser gebaut, sondern Lösungen gefunden.“ Im Oktober 2025 wurde HeyCarla zudem mit dem von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart ausgelobten Hochschulpreis der Region Stuttgart ausgezeichnet.
Heute richtet sich der Blick nach vorne. In den kommenden drei Jahren möchte HeyCarla über 1.000 aktive Dienste betreuen und gleichzeitig den Eintritt in die Märkte Österreich und Schweiz vorbereiten. Langfristig soll die Plattform zur führenden Lösung für Alltagshilfe- und Betreuungsdienste in Europa werden. Dafür wird das Tech-Team weiter ausgebaut, das Produkt erweitert und ein Partnernetzwerk aufgebaut.

Einer der stärksten Aha-Momente der bisherigen Reise kam für Jashanica bereits im ersten Monat nach Gründung. Die Bedeutung von echtem Nutzerkontakt. „Wir dachten, dass große Dienste eigene Lösungen nutzen würden. Aber als uns einer der größten Anbieter Deutschlands kontaktierte, wurde uns klar: Glauben ist nicht Wissen.“ Diese Erkenntnis prägt sein unternehmerisches Denken bis heute: „Es ist wichtig, intensiv mit der Zielgruppe zu sprechen. Annahmen sind hilfreich, aber echte Validierung entsteht nur durch Gespräche vor Ort.“ Sein Rat an andere Gründerinnen und Gründer ist klar: „Baut das Produkt, das wirklich gebraucht wird – nicht das, von dem ihr glaubt, dass es gebraucht wird.“
Kurz & Knackig
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Kaffee oder Club-Mate? Ganz klar: Kaffee – das Benzin jeder Gründung.
Was darf auf eurem Schreibtisch nie fehlen? Auch wenn man es kaum glaubt: Ein einfacher Notizblock, in den zunächst alle täglichen Aufgaben eingetragen werden, hilft enorm. Später übertragen wir die Notizen dann strukturiert in unser System.







