GeQD: Mit einzelnen Lichtteilchen die Technologien von morgen ermöglichen

Sie machen das Unsichtbare sichtbar – und könnten damit die Quantentechnologie, industrielle Sensorik und autonome Systeme entscheidend voranbringen: Das Stuttgarter Deep-Tech-Startup GeQD entwickelt hochempfindliche Sensoren, die selbst einzelne Lichtteilchen erfassen können.

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Sie machen das Unsichtbare sichtbar – und könnten damit die Quantentechnologie, industrielle Sensorik und autonome Systeme entscheidend voranbringen: Das Stuttgarter Deep-Tech-Startup GeQD entwickelt hochempfindliche Sensoren, die selbst einzelne Lichtteilchen erfassen können. Mit ihrer innovativen Germanium-auf-Silizium-Technologie wollen die vier Gründerinnen und Gründer eine bislang aufwendige und teure Technologie fit für den industriellen Einsatz machen.

Für diese Idee wurde GeQD mit dem 1. Platz beim Hochschulpreis der Startup Region Stuttgart 2025 ausgezeichnet. Das Team um Maurice Wanitzek, Jakob Finkbeiner, Claudia Bett und Maximilian Scheu zeigt eindrucksvoll, welches Gründungspotenzial in der Spitzenforschung der Universität Stuttgart steckt.

Im Interview verraten die vier, wie aus einer Promotion eine Geschäftsidee wurde, warum plötzlich ein globaler Technologieführer bei ihnen anklopfte und weshalb die Region Stuttgart für ihr Startup der ideale Standort ist…

Ein Lichtteilchen genügt: Die Technologie hinter GeQD

Was macht euer Startup – in einem Satz?

GeQD entwickelt Einzelphotonendetektoren, also Lichtsensoren, die so empfindlich sind, dass sie einzelne Lichtteilchen erfassen. Wir bauen sie für Quantentechnologien, LiDAR und industrielle Sensorik.

Welches Problem löst ihr konkret?

Wir lösen ein Skalierungsproblem. Viele Zukunftsanwendungen arbeiten mit Licht im Kurzwelleninfrarot, weil es augensicher ist und sich gut über Glasfasern übertragen lässt. Bisherige Einzelphotonendetektoren sind entweder für dieses Licht empfindlich, sind dann aber teuer oder müssen aufwendig tiefgekühlt werden. Oder sie lassen sich wie Siliziumchips günstig in großen Stückzahlen fertigen, sind für dieses Licht aber blind. Unsere Germanium-auf-Silizium-Technologie verbindet beides und macht empfindliche Infrarotdetektion auch für kostengetriebene Industrieanwendungen interessant.

Was unterscheidet euch von bestehenden Lösungen?

Wir fertigen mit Standardprozessen der Siliziumindustrie. Dadurch lassen sich unsere Detektoren in großen Stückzahlen und zu einem Bruchteil der heutigen Kosten herstellen. Später können wir sie zu ganzen Sensorarrays mit integrierter Elektronik skalieren. Zudem kommen unsere Chips ohne Tieftemperaturkühlung aus, sind dadurch kompakt und lassen sich leicht in die unterschiedlichsten Systeme integrieren.

Wer ist eure Zielgruppe?

Grundsätzlich alle, die sehr schwaches Licht zuverlässig messen müssen. Unser erster Einzelphotonendetektor richtet sich an Labore in der Quantenforschung. Danach adressieren wir Quantentechnologien wie Quantenverschlüsselung und photonisches Quantencomputing. Außerdem adressieren wir LiDAR-Hersteller, etwa für Drohnen, Satelliten und Automotive.

Von der Doktorarbeit zur Geschäftsidee

Wie kam es zur Gründungsidee?

Maurice Wanitzek hat die Technologie während seiner Promotion am Institut für Halbleitertechnik der Universität Stuttgart erforscht. Projektpartner und Unternehmen sprachen ihn immer wieder auf eine Kommerzialisierung an. Da war klar: Hier liegt Potenzial, das wir nutzen müssen.

Was war euer „Aha-Moment“?

Frühsommer, Freitagnachmittag im GeQD-Office. Im Postfach landet eine E-Mail von einem globalen Technologieführer: „Cool, woran ihr arbeitet – lasst uns über eine Systemintegration sprechen.“ Wenn Kunden von sich aus auf dich zukommen, weißt du, dass du einen Nerv triffst. Inzwischen haben wir viel positives Feedback und mehr als zehn Absichtserklärungen von potenziellen Kunden erhalten.

Wer steckt hinter dem Team und wie habt ihr euch gefunden?

Wir sind vier Gründer: Maurice Wanitzek, Jakob Finkbeiner, Claudia Bett und Maximilian Scheu. Maurice hat in seiner Promotion am Institut für Halbleitertechnik der Universität Stuttgart die Germanium-Detektoren entwickelt, auf denen GeQD aufbaut. Jakob kennt er seit Studium und Promotion; er verantwortet heute die Ausleseelektronik. Max und Maurice haben sich über eine Initiative im Stuttgarter Startup-Ökosystem kennengelernt, Max bringt Betriebswirtschaft und Finanzierung ein. Bei der gezielten Suche nach Kompetenz in Optik und Systemintegration sind Maurice, Max und Jakob auf Claudia gestoßen, die diese Lücke schließt und das Team auch menschlich bereichert. Gemeinsam decken wir heute die gesamte Kette vom Halbleiterchip bis zum Kunden ab.

1,1 Millionen Euro Förderung und große Plän
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Wo steht ihr aktuell (Produkt, Markt, Kunden)?

Wir haben vier Wafergenerationen gefertigt und vermessen, die fünfte ist in Produktion. Aktuell entwickeln wir unseren Laborprototyp zu einem Demonstrator weiter, den Kunden in ihren eigenen Aufbauten testen können. Mehrere Partner haben ihr Interesse an solchen Pilottests bereits schriftlich bekundet. Parallel entwickeln wir die Technologie für Quantenanwendungen und LiDAR weiter.

Was war euer bisher größter Meilenstein?

Die Förderung durch EXIST-Forschungstransfer. Sie gibt uns 24 Monate und rund 1,1 Millionen Euro, um aus Forschung ein Produkt zu machen. Besonders gefreut haben uns auch die Aufnahme in Programme wie das Creative Destruction Lab sowie der Hochschulpreises der Strartup Region Stuttgart.

Gab es einen Moment, in dem ihr fast aufgegeben hättet?

Nein – wir geben nicht auf. Aber es braucht Durchhaltevermögen. In der Halbleiterentwicklung liegen zwischen Design und Messergebnis oft Monate, und nicht jedes Ergebnis ist das, auf das man gehofft hat. Dann heißt es analysieren, nachjustieren und den nächsten Durchlauf besser machen.

Spitzenforschung, Chipfertigung und Industrie vor der Haustür

Welche Rolle spielt die Region Stuttgart für euch?

Stuttgart ist für uns alle ein Stück Heimat, und GeQD ist hier entstanden. Die Region vereint, was für ein Halbleiter-Startup selten an einem Ort zusammenkommt: Spitzenforschung an der Universität Stuttgart, mit IMS CHIPS eine Chipfertigung in direkter Nachbarschaft und eine Industrie, die Sensorik und Photonik in die Anwendung bringt. Partner, Zulieferer und potenzielle Kunden sind oft nur eine S-Bahn-Fahrt entfernt.

Welche Unterstützung habt ihr hier erhalten?

Sehr vielfältige. Am Institut für Halbleitertechnik der Universität Stuttgart ist unsere Technologie entstanden, und das Institut begleitet uns bis heute. Initiativen wie QuantumBW, NXTGN und CODE_n öffnen uns Türen zu Partnern und Kunden. Erfahrene Unternehmer und Wissenschaftler aus der Region stehen uns mit Rat und Kontakten zur Seite. Diese Bereitschaft, Gründern zu helfen, erleben wir hier immer wieder.

Was macht den Standort für Startups attraktiv – oder auch herausfordernd?

Stuttgart bietet alles, was ein Deep-Tech-Startup braucht: exzellente Forschung, eine starke Industrie und gut ausgebildete Fachkräfte. Die größte Stärke ist zugleich die größte Herausforderung. Die Industrie prägt die Region mit ihrer Ingenieurs-DNA, zieht Talente an und setzt hohe Standards. Ein Startup muss dagegen mit wenigen Mitteln schnell etwas Überzeugendes bauen, das noch nicht perfekt ist. Wenn diese Geschwindigkeit auf die Prozesse eines Konzerns trifft, begegnen sich zwei Welten. Genau darin liegt aber die Chance. Wer diese Brücke schlägt, gewinnt Partner mit enormer Tiefe in Entwicklung und Fertigung. Und die Ansprüche der Industrie machen unser Produkt besser.

Zwischen Durchbruch und Durchhaltevermögen

Was war bisher eure größte Hürde?

Die Technologie. Germanium auf Silizium ist anspruchsvoll: Wir müssen die Empfindlichkeit unserer Detektoren im Infrarot weiter steigern und gleichzeitig ihr Rauschen senken. Mit jeder Wafer Generation kommen wir diesem Ziel ein gutes Stück näher.

Was habt ihr aus Fehlern gelernt?

Reflektieren, besprechen, weitermachen. Fehler offen anzusprechen, statt sie kleinzureden, ist enorm wichtig. Wir reflektieren gemeinsam, ziehen Konsequenzen und machen weiter. Das funktioniert nur, weil wir uns im Team vertrauen.

Was unterschätzen viele beim Gründen?

Wie viel auf einen zukommt, sobald man sich wirklich darauf einlässt. Von außen sieht man davon nur einen Bruchteil. Und wie schnell alles geht: Innerhalb weniger Monate steht man auf Bühnen, verhandelt mit Konzernen und landet an Orten, von denen man vorher kaum wusste, dass es sie gibt. Was Gründen bedeutet, versteht man erst, wenn man es selbst macht.

Vom Labor in die industrielle Anwendung

Wo wollt ihr in 2–3 Jahren stehen?

Unser erster Detektor soll in Quantenlaboren im Einsatz sein. Gemeinsam mit Industriekunden wollen wir unsere Produktpalette erweitern, für Quantentechnologien und für LiDAR, auch in der Raumfahrt.

Was sind eure nächsten konkreten Schritte?

Anfang 2027 gründen wir die GmbH. Parallel machen wir unseren Demonstrator fit für die ersten Kundentests und bereiten unsere erste Finanzierungsrunde vor.

Welche Unterstützung sucht ihr aktuell (z. B. Investoren, Partner)?

Industriepartner, die unsere Detektoren früh in ihren Systemen testen und gemeinsam mit uns Projekte umsetzen wollen. Und für unsere erste Finanzierungsrunde Investoren, die Deep Tech verstehen und langfristig denken.

Kaffee, Teamgeist und ein Stück Wafer

Was motiviert euch jeden Tag?

Die Stimmung im Team und jeder Messwert, der besser ist als der letzte.

Welche Tools oder Routinen könnt ihr empfehlen?

Da gibt es wahrscheinlich keine vordefinierten Patentrezepte. Es ist gut, zu beobachten, wie andere Personen ihre Abläufe strukturieren und gestalten. Daraus kann man lernen, und Teile in die eigenen Routinen übertragen. Jedoch so, dass es zu einem selbst passt.  Jeder Mensch ist dahingehend anders, deshalb funktioniert nicht alles für jeden gleichermaßen.

Und für den Alltag: Geht ins Büro, seht euch, sprecht miteinander. Wir sind jeden Tag im Büro, das ist extrem wichtig!

Ein Tipp für andere Gründerinnen und Gründer?

Vertraut auf euch und in euch!

Zum Schluss…
Euer Startup in drei Hashtags?

#SinglePhotonDetection #Semicon #MadeInStuttgart


Kaffee oder Club-Mate?

Kaffee!


Was darf auf eurem Schreibtisch nie fehlen?

Ein Stück Wafer, und etwas, das einen motiviert!