Genau hier setzt das Stuttgarter Startup FiniteNow an.
„Wir bieten Unternehmen On-Demand-Zugang zu Simulationsdienstleistungen, beschleunigt durch unser Instant-Quoting Tool“, erklärt Mitgründer Robert Wagner. Hinter diesem Ansatz steckt die Idee, einen bislang stark manuellen und zeitintensiven Prozess grundlegend zu digitalisieren.
Vom Angebotsmarathon zur Echtzeit-Transparenz
Simulationsprojekte sind in der Regel hochindividuell. Jede Bauteilgeometrie, jede Belastung, jede Randbedingung unterscheidet sich. Entsprechend aufwendig gestaltet sich die Angebotserstellung. Üblicherweise beginnt sie mit einem Austausch per E-Mail, gefolgt von technischen Rückfragen, Datentransfers und manueller Kalkulation. Bis ein verbindliches Angebot vorliegt, vergehen nicht selten mehrere Wochen.
„Heutzutage werden Simulationsaufträge noch immer über E-Mail-Ping-Pong gebucht“, beschreibt Wagner die Realität im Markt.
FiniteNow durchbricht diesen Ablauf mit einem KI-basierten Instant-Quoting-Tool. Die Software analysiert die Anforderungen strukturiert und schafft innerhalb weniger Minuten Transparenz über Aufwand, Kosten und Zeitrahmen. Für Unternehmen bedeutet das deutlich mehr Planbarkeit, für FiniteNow selbst eine erhebliche Reduktion manueller Arbeitsschritte.
Der entscheidende Unterschied zum Wettbewerb liegt dabei in der intelligenten Verarbeitung komplexer Anforderungen. Klassische Preistabellen stoßen bei hochindividuellen Simulationen schnell an ihre Grenzen. Hier setzt die KI an: Sie versteht die spezifischen Parameter eines Projekts und übersetzt sie in eine belastbare Kalkulation.
Die Idee: Übertragene Disruption
Die Wurzeln von FiniteNow liegen in einer anderen Branche. Die beiden Mitgründer Dr. Farbod Nezami und Dr. Jan-Philipp Fuhr hatten bereits mit ihrer Schwesterfirma InstaWerk erlebt, wie stark Instant-Quoting die Fertigungswelt verändert hat. Dort mussten Anfragen zuvor ebenfalls individuell per E-Mail gestellt und manuell kalkuliert werden.
„Deutschland hat mehrere tausend Fertiger, aber keinen gebündelten Zugang. Jede Bestellung musste einzeln angestoßen werden“, so Wagner.
Instant-Quoting eliminierte diese Wartezeiten nahezu vollständig und automatisierte die Angebotserstellung. Für das Team war schnell klar, dass ein ähnliches Potenzial auch im Simulationsmarkt schlummert. Denn wie in der Fertigung ist auch hier jeder Auftrag einzigartig – genau das macht traditionelle Prozesse langsam und teuer.

Engineering-Kompetenz trifft Unternehmergeist
Hinter FiniteNow stehen Dr. Farbod Nezami, Dr. Jan-Philipp Fuhr und Robert Wagner. Nezami und Fuhr lernten sich während ihrer Promotion bei großen Automobilherstellern kennen und gründeten später CIKONI (mit Fokus auf Verbundwerkstoffe) sowie InstaWerk. Beide Unternehmen sind fest in Stuttgart verankert.
Robert Wagner kam über das TUM-Projekt WARR rocketry ins Netzwerk der Gründer. Als Student entwickelte er Höhenforschungsraketen und startete diese in Portugal – ein Umfeld, in dem Simulation und Verbundwerkstoffe essenziell sind. Aus der Zusammenarbeit entstand nicht nur fachlicher Austausch, sondern die gemeinsame Vision eines neuen Unternehmens.
„Unser Team vereint technisches Know-how in der Ingenieursimulation mit unternehmerischer Erfahrung“, sagt Wagner. Alle Gründer verfügen über tiefgehende Simulationsexpertise – kombiniert mit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreicher Unternehmenspraxis.
Von der KI-Idee zur marktreifen Lösung
Seit wenigen Monaten ist FiniteNow offiziell am Markt und setzt erste Kundenprojekte um. Der bislang größte Meilenstein war die Umsetzung des KI-basierten Konzepts in eine funktionierende Software.
„Wir sind die Ersten auf dem Markt, die das geschafft haben“, betont Wagner mit Blick auf die vollständige Digitalisierung des Angebotsprozesses im Simulationsbereich.
Der Start erfolgte in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld. Der globale Wettbewerb im Engineering-Sektor ist intensiv, viele Unternehmen agieren vorsichtig bei neuen Dienstleistern. Dennoch gelang es FiniteNow, den operativen Kick-off erfolgreich zu meistern und erste Referenzen aufzubauen.

Stuttgart als industrielles Fundament
Dass FiniteNow in der Region Stuttgart gegründet wurde, ist eine bewusste Entscheidung. Die industrielle Dichte – von Automotive über Aerospace bis Maschinenbau – bietet ein ideales Umfeld für Engineering-Services.
„Die Industriestärke Stuttgarts ist für uns genau das Richtige“, sagt Wagner. Kundennähe sei als Dienstleister entscheidend. Die Erfahrungen mit CIKONI und InstaWerk hätten bereits gezeigt, wie stark das regionale Ökosystem trägt.
Auch das Startup-Umfeld habe sich positiv entwickelt: mehr strukturierte Förderprogramme, stärkere Einbindung von Corporates und eine wachsende Kooperationsbereitschaft zwischen Industrie und jungen Unternehmen. Stuttgart sei weniger stark VC-getrieben als andere Standorte, dafür aber praxisnäher und stärker auf nachhaltige Geschäftsmodelle ausgerichtet.
KI zwischen Skepsis und Potenzial
Ein zentrales Zukunftsthema für FiniteNow ist die industrielle Akzeptanz von KI. Wagner beobachtet, dass KI in vielen Bereichen skeptisch betrachtet wird – nicht zuletzt durch die Flut generierter Inhalte im digitalen Raum.
„Oft wird KI als minderwertiger Ersatz für qualitativ hochwertige Facharbeit gesehen“, so seine Einschätzung.
FiniteNow versteht KI jedoch nicht als Ersatz für Ingenieursleistung, sondern als Enabler. Automatisiert wird ein administrativer, aber komplexer Prozessschritt: die Bepreisung hochindividueller Simulationen. Dieser lasse sich nicht in einer simplen Excel-Formel abbilden, eröffne aber enormes Effizienzpotenzial.
„Wir senken die Durchlaufzeit von Wochen auf Minuten – aber das klappt nur, wenn die Leute bereit sind, sich darauf einzulassen.“
Lernen im Markt statt Perfektion im Labor
Ein wichtiger Aha-Moment seit der Gründung war für das Team die Bedeutung früher Marktvalidierung. Gerade mit Engineering-Hintergrund sei es verlockend, lange an der perfekten Lösung zu arbeiten.
„Es ist immer besser, sein Produkt schnell als MVP auf den Markt zu bringen, statt isoliert im Kämmerchen zu entwickeln.“
Früher Kundenkontakt sei durch nichts zu ersetzen. Rückblickend würde sich das Team weniger von der schwierigen wirtschaftlichen Lage einschüchtern lassen – und noch entschlossener experimentieren.
Der Rat an andere Gründerinnen und Gründer ist entsprechend pragmatisch: „Einfach ausprobieren! Schnell lernen und sich nicht zu sehr auf die anfängliche Vision versteifen.“
Blick nach vorn
In den kommenden Jahren möchte FiniteNow skalieren, das Portfolio an Simulationsleistungen ausbauen und interne Workflows weiter optimieren – ohne die eigene Flexibilität zu verlieren. Parallel dazu will das Team die Wahrnehmung von Instant-Quoting-Tools in der Industrie stärken.
Die Vision ist klar: Simulationen sind komplex – der Zugang dazu muss es nicht sein.
Zum Schluss
Kaffee oder Club-Mate?
Zwar sind wir ein recht junges Team, aber der Kaffee schmeckt doch einfach ein wenig besser 🙂 Ganz wichtig aber ist, eine feste Uhrzeit festzulegen, wann persönlich aufgehört wird. Ohne guten Schlaf arbeitet man nicht in seinem Optimum. Wenn ihr bei uns vorbeikommt, könnt ihr natürlich auch gerne Mate haben!
Was darf auf eurem Schreibtisch nie fehlen?
Genügend Bildschirme und ein guter Rechner zum Simulieren.
Drei Hashtags, die euch am besten beschreiben?
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https://finitenow.com/
https://instawerk.de/
https://cikoni.com/







