Startup Porträt: LOUVE

14. Oktober 2022

Wir haben Louisa von LOUVE getroffen. Sie hat uns berichtet, wie sie sich mit ihrem Computer, ihrem Herzen und ihrem Hirn ein Business aufgebaut hat, wie sie mittlerweile Menschen an den wichtigsten Tagen im Leben begleitet und wie ihre Lernkurve während des Gründens verlief.

Liebe Louisa, kannst du uns kurz erklären, was LOUVE macht?

LOUVE begleitet Menschen an den wichtigsten Tagen im Leben. In emotionalen Ausnahmezuständen. Das können Hochzeiten, Beerdigungen oder auch weltliche Taufen sein. Wir bei LOUVE verkaufen nicht nur Reden, sondern vielmehr Emotionen. Wir sind Wegbegleiter, Zuhörer, Trostspender oder auch deren Cheerleader und stehen unseren Kunden über den gesamten Zeitraum der Planung und Umsetzung mit all unserem Wissen zur Seite.

Das klingt interessant, aber wie bist du auf die Idee dazu gekommen?

Ich wurde vor mittlerweile 5 Jahren innerhalb der Familie gefragt, ob ich mir vorstellen könnte eine freie Trauung zu leiten. In einem Anflug aus Euphorie habe ich sofort ja gesagt. Leider ist es ja oft so, dass Reden bei feierlichen Anlässen recht zäh sind. Ich wusste daher, dass ich das anders machen möchte. Ich habe dann viel mit meiner Cousine und ihrem Verlobten im Vorfeld gesprochen. Durch den Austausch ist es schlussendlich eine wirklich schöne, emotionale und persönliche Trauung geworden. Ab da war es der Schneeball-Effekt, der meine Idee wachsen ließ. Denn immer wieder saßen potenzielle Kunden unter den Gästen.

Wann kam dann der Zeitpunkt, an dem du gesagt hast, dass du dich damit selbstständig machen möchtest?

Ich habe als Kleinunternehmerin angefangen, habe aber schnell das Maximalbudget pro Jahr erreicht. Zu der Zeit war ich noch in einer Agentur tätig – als Projektmanagerin und Texterin. Die Materie des Redenschreibens war mir also nicht fern. Aber natürlich blieb neben meinem Vollzeitjob nicht mehr allzu viel Zeit für das Kleingewerbe. Ich habe hauptsächlich abends dafür gearbeitet. Und an den Wochenenden war ich dann immer auf den Feiern unterwegs. Da kam das Privatleben dann irgendwann zu kurz. Das Gute an meiner Arbeit ist, dass man die meisten Termine – wenn es sich nicht um Trauerfälle handelt – ein Jahr im Voraus bereits kennt. Ich hatte also Planungssicherheit und wusste, dass ich im ersten Jahr über die Runden kommen werde. So konnte ich mit ein bisschen weniger Sorgen meinen Job kündigen. Und dann habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit einfach mal gewagt.

Du hast es vorhin bereits erwähnt – Reden bei feierlichen Anlässen können leider wirklich zäh und zermürbend sein. Aber was unterscheidet die Reden von LOUVE denn von anderen Reden?

Es geht um viel Mehr, als das bloße gesprochene Wort. Es zählt auch, wie der Redner spricht. Wir möchten den Angehörigen und Gästen mit unseren Reden gute Momente und Emotionen bescheren. Ich behaupte, dass unsere Reden aufregender und eingehender sind als andere. Wir verleihen einem neuen Lebensabschnitt Gewicht, oder aber setzen an ein schönes Leben ein würdevolles Ende – da will doch niemand zum hundertsten Mal einen abgedroschenen Wandtattoo-Spruch hören oder den Konfuzius herzitiert bekommen. Außerdem haben wir jahrelange Erfahrung in der Branche und können auch mit Tipps rund um das Feier zur Seite stehen, wie beispielsweise mit Kontakten zu weiteren tollen Dienstleistern und Locations.

Wie kam es, dass du mittlerweile auch Mitarbeiter hast?

Die Nachfrage stieg rasant. Meine erste Mitarbeiterin kam dann mehr per Zufall. Ich wollte einen Ersatz haben, falls ich mal kurzfristig ausfallen sollte. Und wie das Schicksal so spielt, ist es meine ehemalige Teamleiterin geworden. Wir sind uns von der Art und wie wir präsentieren sehr ähnlich. Das war mir unheimlich wichtig, da die Rede ja auch in der richtigen Manier vorgetragen werden sollte. Meinen zweiten Mitarbeiter habe ich bei der Makers League getroffen. Wir haben ähnliche Ansichten und Werte und da wusste ich, dass auch das harmonieren und klappen wird. Mittlerweile teilen wir uns die Reden sozusagen nach Anlass und Feier auf – je nachdem, wer am besten passen könnte.

Hattest du denn zu Beginn der Selbstständigkeit Befürchtungen, dass etwas nicht so klappen könnte, wie du es dir erhofft hattest?

Das Gute an meinem Business ist, dass ich zu Beginn nur meinen Computer gebraucht habe und keine teuren Maschinen oder dergleichen anschaffen musste. Ich bin vom Typ her nicht so risikofreudig, daher kam mir dieses Business Model sehr entgegen. Ich weiß immer wie viele Reden im kommenden Jahr auf mich zukommen werden und kann dementsprechenden planen. So konnte ich langsam und gesund wachsen. Was allerdings viel schwieriger ist, als ich dachte, ist die Vereinbarkeit von meiner Selbstständigkeit mit meiner Familie. Es ist sehr herausfordernd alles unter einen Hut zu bekommen.

Aus Fehlern lernt man ja bekanntlich – aber gibt es trotzdem etwas, was du rückblickend gerne anders machen würdest? Was kannst du potentiellen Gründerinnen und Gründern ans Herz legen?

Durch meine Ausbildung und mein Studium kann ich mit den einschlägigen Gestaltungsprogrammen umgehen und habe daher am Anfang meine Corporate Identity selbst aufgezogen. Das hat mir nie so richtig gefallen, aber am Anfang seinen Zweck erfüllt. Irgendwann, als ich stark gewachsen bin, wollte ich mich jedoch besser damit identifizieren können und habe dann alles nochmal professionell umsetzen lassen. Daher würde ich mir rückblickend für Dinge, die man besser an Experten gibt, etwas „Spielgeld“ einrichten. Langfristig spart man sich damit sehr viel Arbeit und somit ja auch wiederum Geld. Dieses unternehmerische Denken musste ich mir erst aneignen: Ich muss regelmäßig investieren, um wachsen zu können.

Hast du sonst Tipps für die Gründungscommunity in der Region? Was sind deiner Meinung nach gute Anlaufstellen? Dein Business ist ja wahrscheinlich recht ortsungebunden. Was hält dich trotzdem hier?

Esslingen ist mein Lebensmittelpunkt – natürlich auch wegen meiner Familie. Aber der Landkreis macht wahnsinnig viel für die Gründungscommunity. Ich kann es jedem nur ans Herz legen sich ein Netzwerk zu suchen. Mir hat in der Selbstständigkeit irgendwann der Austausch mit Gleichgesinnten gefehlt. Daher war ich sehr froh, als ich auf die Makers League gestoßen bin. Der Austausch tut einfach gut. Daher wäre mein Tipp: Such dir eine Gang: Leute, die dich feiern, dir Mut zusprechen, Erfolge mit dir feiern, aber auch Misserfolge bedauern. Und speziell für Mütter: Traut euch. Man kann auch mit Mitte 30 und trotz Kindern und privater Verpflichtungen noch in die Selbstständigkeit gehen.

Und zum Abschluss darfst du ein bisschen träumen. Wie stellst du dir die Zukunft für LOUVE vor?

Ich bin jeden Morgen maximal dankbar, weil mein Job mich so erfüllt. Ich bekomme sehr viel Wertschätzung für meine Arbeit. Wenn es so in Zukunft bleibt, bin ich schon sehr glücklich. Ich möchte mich aber auch vergrößern, evtl. noch mit mehr Mitarbeitern, aber definitiv mit größeren Räumlichkeiten. Das würde es mir ermöglichen Death Cafés anzubieten. Bei Kaffee & Kuchen über den Tod zu sprechen, das Thema zu enttabuisieren. Mir liegt viel daran, nicht nur die schönen Seiten des Lebens auf Hochzeiten zu feiern, sondern auch das Thema Tod und Trauer ins Leben zu holen. Orte zu schaffen, an denen man sich entspannt mit dem Lebensende vertraut machen kann.


© Patricia Hamann