Startup-Porträt: Foodiary

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16. September 2020

Startup Region Stuttgart war im Gespräch mit Felix Mergenthaler von Foodiary. Felix hat als Fitnesstrainer und Ernährungsberater täglich Kunden hinsichtlicher ihrer Ernährung beraten. Mit der Zeit entwickelte er die App Foodiary, in die er sein ganzes Wissen gesteckt hat.

Felix, kannst du Foodiary in einem Satz beschreiben?

Die App von Foodiary erstellt persönliche Ernährungspläne, welche optimal auf die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden.

Und wie kam dir die Idee zur App? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Als Fitnesstrainer und Ernährungsberater für namenhafte Studios habe ich täglich Kunden betreut, welche ihre körperlichen Ziele erreichen wollten. Dabei kamen immer wieder die gleichen Fragen auf: Wie viel Kalorien darf ich essen? Welche Lebensmittel und Rezepte soll ich wählen? Brauche ich Proteinshakes? Und meine Antworten waren ebenfalls immer die Gleichen: Du musst Deine Kalorien und mit der Zeit anpassen. Die Lebensmittel hängen von Deiner Ernährungsform und Deinen Gewohnheiten ab. Proteinshakes benötigst Du nur, wenn Du Deinen Tagesbedarf nicht decken kannst.

Diese Situation der sich ständig wiederholenden Fragen & Antworten wollte ich ändern und habe damit begonnen, kleine Excel Programme zu schreiben und so den Alltag der Kunden zu erleichtern. Schritt für Schritt wurde daraus eine Webanwendung, ein kleines Unternehmen. Mit der Zeit wuchs die ursprüngliche Excel Datei zu einem größeren Unternehmen und folglich der App von Foodiary.

Gab es etwas, was dir anfangs Angst bereitet hat?

Zu Beginn der Gründung hatte ich offen gesprochen keine Bedenken. Zu Beginn wollte ich einfach schauen, ob es funktioniert. Das Unternehmen wuchs Schritt für Schritt. Die Bedenken kamen erst nachträglich, als das Unternehmen immer weiter wuchs. Heutzutage würde ich es als leichtsinnig einschätzen, doch möglicherweise sollte man dies etwas sein, um nicht jeden Prozess zu überdenken. Viele Prozesse sind nicht kalkulierbar und ich kenne einige Menschen, welche sich Ihre Ideen „Tod denken“.

Hast du ein Team?

Zu Beginn hat mir mein Bruder sehr geholfen. Gemeinsam haben wir die ersten MVP’s gebootstrapped. Im folgenden Prozess haben wir vermehrt auf Freelancer und Agenturen gesetzt, mit welchen wir bis heute langfristige Partnerschaften pflegen. Dies ermöglicht dem Unternehmen eine völlige Flexibilität und eine sehr schmale Kostenstruktur.

Wie sieht es mit Investoren aus? Habt ihr euch das schon mal überlegt?

Foodiary wurde bis zum heutigen Tag durch Bootstrapping und Eigenmittel entwickelt. Wir befinden uns aktuell stark im Wachstum. Über ein externen Investor wurde erst in letzter Zeit nachgedacht. Hier würden wir aber priorisiert auf Know-how setzen, anstatt nach monetärem Investment zu schauen.

Welchen Tipp kannst du Gründern geben, die über eine Zusammenarbeit mit Investoren nachdenken, aber den ersten Schritt in diese Richtung aus welchen Gründen auch immer noch nicht gewagt haben?

Häufig bekomme ich von Bekannten Pitchdecks zugeschickt, welche gern gemeinsam mit einem Investor in einer sehr frühen Phase ein Unternehmen gründen möchten. Hierbei fällt mir vermehrt auf, dass wiederholt die gleichen Menschen Pitchdecks senden und hierbei immer über eine andere, großartige Idee sprechen. Persönlich bin ich der Meinung, dass die Zeit für unzählige Pitchdecks eher in die Entwicklung des Unternehmens gesteckt werden sollte, anstatt in die Erstellung von Pitchdecks. Wenn das Geschäftsmodell fortgeschritten und interessant ist und den „Proof of Concept“ erbracht hat, dann ist es auch einfacher einen geeigneten Investoren zu finden. Natürlich kann man dies nicht pauschalisieren, da es unzählige Geschäftsfelder gibt, welche ein hohes Kapital benötigen. Aber vielleicht gibt es auch hier erstmal die Möglichkeit, das Konzept schmaler aufzubauen.

Was war der größte Fehler, der dir bei der Gründung passiert ist? Würdest du rückwirkend etwas anders machen?

Meine größte Fehleinschätzung war definitiv das gesamte Projekt. Als Laie im App-Development und ohne Kenntnisse konnte ich mir nicht vorstellen, welche Aufgaben bei einer Entwicklung anfallen. Nicht nur aus technischer Sicht – welche sich vom UI-Design, über Datenbanken bis hin zu verschiedenen Programmiersprachen erstreckt – sondern auch aus unternehmerischer Sicht war ich mir anfangs nicht bewusst, welche Aufgaben alles auf mich zukommen sollten. Durch das organische Wachstum lernte ich Schritt für Schritt die benötigten Aufgaben. Ein weiterer Vorteil des Bootstrapping. Denn hätte ich zu Beginn ausreichend Kapital gehabt, diese Aufgaben abzugeben, wäre das Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit gescheitert. Rückwirkend würde ich zu Beginn detaillierter planen und auf die ein oder andere „Bauchentscheidung“ verzichten.

Wie findest du die Stuttgarter Gründer-Community? Kannst du Anlaufstellen oder Events empfehlen?

Zu Beginn hat mir das Gründergrillen in der Schankstelle einen ersten Einblick in das Unternehmertum gegeben und mich auf den richtigen Weg gebracht. Jedoch war ich nie aktiv in der Gründer Community unterwegs, da ich mich zu sehr mit dem Aufbauen des Unternehmens beschäftigt habe. Ein weiterer Punkt, welchen ich als „Neuen Gründer“ ändern würde. Ein gutes Netzwerk kann einem oft sehr hilfreich sein.

Persönlich schätze ich gerade im digitalen Bereich den Podcast von OMR, welcher einen sehr detaillierten Einblick in Unternehmen, Vorgehensweisen und Gründungsgeschichten bietet. Auch die Plattform deutsche-startups.de ist eine sehr gute Anlaufstelle und die Artikel und Informationen der Startupvalley.news sind sehr zu empfehlen.

Wie stellst du dir die Zukunft für Foodiary vor?

Mit Foodiary möchte ich nicht nur mein persönliches Ziel erreichen, eine faire, unabhängige und ehrliche Ernährungsberatung zu bieten, sondern auch eine Unternehmensstruktur aufbauen, welche sich durch Wertschätzung, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft auszeichnet. Meiner Meinung ist es wichtig in flachen Hierarchien zu arbeiten, Mitarbeiter auf gleiche Augenhöhe zu stellen und auch ihre privaten Ideen zu fördern.

Weitere Infos gibt es hier.