Startup-Porträt: bikematch

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07. Dezember 2020

Heute stellen wir euch das Stuttgarter Startup bikematch vor! Wir haben mit dem Co-Founder Philipp Raasch gesprochen. Er erzählt von einem spannenden Gründungsjahr während der Corona-Pandemie. Doch die Idee von bikematch zeigt: Auch eine Krise kann ihre Vorteile haben!

Was genau ist bikematch?

Mit bikematch möchten wir den Fahrradmarkt in Deutschland digital vernetzen. Dabei starten wir mit einer Plattform, die Radfahrer und Mechaniker zusammenbringt. Mit dem Ansatz, erstmal die angespannte Werkstattsituation durch einen mobilen und gleichzeitig nachhaltigen Service lösen zu können, lag dann die Gründung von bikematch auf der Hand.

Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Wir – also Philipp und Markus – sind schon seit Jahrzehnten in der Mobilitätsbranche aktiv. Bis zum Beginn des Jahres 2020 waren wir allerdings noch auf vier Räder fokussiert und haben als Berater die Digitalisierung der Automobilbranche vorangetrieben. Im Laufe des letzten Jahres wurde uns aber klar: Die nächste Herausforderung besteht für uns darin, etwas eigenes aufzubauen. Die Fahrradbranche fanden wir spannend, da sie noch unheimlich viel Potenzial für neue Ideen bereithält. Schon in den ersten Workshops zum Thema sind bestimmt zehn weitere Ideen entstanden, die alle wirklich vielversprechend sind.

Hattet ihr zu Beginn Befürchtungen? Haben diese sich bestätigt?

Mit der Idee bikematch sind wir im Sommer 2020 gestartet, also mitten in der Coronakrise. Auslöser war das tatsächliche Problem der angespannten Werkstattsituation, das wir alle selbst erleben mussten. Hinzu kam, dass gerade in diesem Jahr das Fahrrad als Fortbewegungsmittel einen regelrechten Boom erlebt hat, die Werkstattkapazitäten aber nicht in gleichem Masse mitgewachsen sind. Diese Entwicklung hat uns auf die Idee gebracht, hier nach einer Lösung zu suchen. Grundsätzlich ist das Jahr 2020 natürlich eine herausfordernde Zeit, um ein neues Unternehmen zu gründen. Coronabedingt war bereits abzusehen, dass alles ein wenig langsamer und träger läuft als sonst. Auch die Verwaltungsapparate waren teilweise viel mit sich selbst beschäftigt. Potentielle Investoren warten lieber erstmal ab. Für uns war die logische Schlussfolgerung, so viel wie möglich selbst zu machen, um nicht von Dritten abhängig zu sein. Deshalb haben wir uns die wichtigsten Kompetenzen direkt ins Unternehmen geholt. Mit der Familie Franke aus Stuttgart konnten wir Experten aus der Fahrradbranche für uns gewinnen. Mit Karen und Ilya haben wir ein bereits eingespieltes Team in Sachen Softwareentwicklung und User Experience gefunden. Unseren MVP konnten wir auf diese Weise komplett ohne Fremdkapital in Angriff nehmen und haben so bereits Mitte November 2020 den Testbetrieb unserer bikematch Angels App in Stuttgart gestartet. Eine große Befürchtung war, keine Serviceagenten zu finden. Wir konnten nicht wirklich realistisch einschätzen, ob ein Nebenjob, der ausschließlich im Freien stattfindet und viel Flexibilität verlangt auf ausreichend positive Resonanz stoßen kann. Diese Befürchtung hat sich aber nicht bewahrheitet: Wir bekommen viele interessante Bewerbungen und führen regelmäßig Interviews. Mittlerweile sind wir für unseren Test Betrieb auch schon voll besetzt und führen eine Warteliste für den geplanten Roll-Out im März.

Habt ihr schon einmal über die Zusammenarbeit mit externen Investoren nachgedacht?

Wir sind gerade aktiv auf der Suche nach Investoren, die an unser Team und unsere Idee glauben. Der Fokus liegt hierbei auf einer Initialfinanzierung, um das Geschäftsmodell zu implementieren und in einem ersten Rahmen zu skalieren. Neben der reinen Finanzierung ist jedoch auch die Einbringung von Erfahrung und eigenen Netzwerken gefragt. Aktuell führen wir sehr viele Gespräche mit unterschiedlichen Personen und Unternehmen, um differenziertes Feedback zu unserer Idee zu bekommen. Dieser Austausch ist für uns sehr wertvoll, um das Geschäftsmodell weiter zu optimieren.

Habt ihr Tipps für den richtigen Umgang mit Investoren?

Im Voraus sollte man sich Gedanke machen in welcher Form und in welchem Umfang man überhaupt Investoren benötigt und diese dann evtl. auch am eigenen Unternehmen beteiligen möchte. Einen Blick auf den jeweiligen Hintergrund und das bestehende Portfolio der Investoren kann sehr aufschlussreich sein. Es gibt viele interessante und gute Angebote zur finanziellen Unterstützung für Startups – die vielfach bekannten Wege müssen nicht immer die besten für das eigene Unternehmen sein.

Was war der größte Fehler oder die größte Fehleinschätzung, die ihr bei der Gründung gemacht habt?

Dafür sind wir noch zu frisch, fragt uns gerne in sechs Monaten noch einmal.

Wie empfindet ihr die Stuttgarter Gründer-Community? Wo finden (potentielle) Gründer am einfachsten Anschluss?

Wir haben die Gründer Community in Stuttgart als sehr offen und interessiert kennengelernt. Die Bereitschaft zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung ist groß. Mittlerweile sind wir auch Teil des Stuttgarter M.Tech Accelerator Programms, das sich auf die Unterstützung von Mobility Startups aus der Region fokussiert. Auch seitens der Hochschule der Medien haben wir stets tolle Unterstützung erfahren. Hier wollen wir einen besonderen Dank an Prof. Hartmut Rösch vom Startup-Center der HdM aussprechen.

Welche Anlaufstellen für Gründer könnt ihr empfehlen?

In Stuttgart gibt es einige gute Anlaufstellen für Gründer. Wir sind bereits seit einiger Zeit in einem engen Austausch mit der bwcon, welche immer ein offenes Ohr für uns hat. Grundsätzlich lohnt es sich, als Startup die offene Atmosphäre in einem der vielen Co-Working Spaces zu nutzen, um sich mit anderen Gründern zu vernetzen und vor allem, um Raum für kreativen Austausch zu haben. Hier finden auch regelmäßig Pitches, Kontaktmessen oder Online Events statt, um die eigene Idee einem größeren Publikum bzw. vor Investoren zu präsentieren.

Wie stellt ihr euch die nahe und ferne Zukunft für bikematch vor?

Unser Ziel für die nächsten 18 Monate ist es erst einmal, das Geschäftsmodell von bikematch in weitere Städte zu bringen und den Service dort bekannt zu machen. Mittelfristig werden wir unseren Service jedoch auch auf das B2B Geschäft ausweiten. Im Jahr 2025 möchten wir bereits eine Vielzahl an wertstiftenden Services rund um das Thema Fahrrad und E-Bike anbieten, um so unserer Vision – das Alibaba der europäischen Fahrradbranchen – wieder ein Stück näher zu kommen. Wichtig ist für uns dabei, den Spaß am Thema nicht zu verlieren. Wir freuen uns bereits sehr auf diese spannende Zeit!