Startup-Porträt: EnFin

27. Februar 2017

EnFin ermöglicht Leukämiepatienten eine zielgerichtete Therapie

Trend in der Krebsforschung und damit auch der BioTech-Branche ist die personalisierte und zielgerichtete Therapie (targeted therapy). Dabei werden mit Biomarkern Patienten identifiziert, die von ganz bestimmten Therapien profitieren. Bis jetzt bekommen Patienten zunächst meistens noch eine Chemotherapie, die auch gesunde Zellen angreift. Georg Gdynia ist Pathologe am Uniklinikum Heidelberg und unter anderem Leiter des Ausgründungsprojekts EnFin, welches über den eXist-Forschungstransfer gefördert wird. Er nutzt ein Prinzip, das in einem anderen Fach der Medizin längst einen Siegeszug gehalten hat: pathogene Bakterien werden danach eingeteilt, ob sie mit Sauerstoff (aerob) oder ohne (anaerob) wachsen können, so kann unter anderem die Wahl der richtigen Antibiotika erfolgen.

Dank Test Metastasen vorhersagen

Das fünfköpfige, multidisziplinäre Kernteam von EnFin entwickelte einen funktionellen Test, der die mögliche Bildung von Metastasen vorhersagen kann. Er sagt voraus, wie aggressiv die Krankheit verlaufen wird und wie der spezielle, von der Gruppe untersuchte Leukämie-Typ auf neue, personalisierte Therapieformen anspricht. Kern des Tests ist die Unterscheidung zwischen anaeroben oder aeroben Zellen. Bei der Leukämie ist das Vorhandensein anaerober Tumorzellen im Blut ein Indikator dafür, dass Patienten gut auf eine zielgerichtete Therapie ansprechen. Hintergrund ist der, dass Tumorzellen unter Sauerstoffentzug gegenüber einer herkömmlichen Chemotherapie resistent sind und Tumorpatienten, die viele dieser Zellen haben, somit keine Standardtherapie erhalten sollten. Im Labor von Dr. Gdynia werden die im Blut enthaltenen Tumorzellen mit oder ohne Sauerstoff kultiviert, aufgeschlossen und es werden bestimmte Enzymaktivitäten zum Abbau des Zuckers bestimmt. Aus dem Verhältnis der Enzymaktivitäten kann abgelesen werden, ob die Zellen unter Sauerstoffentzug wachsen und damit eben anaerob oder aerob sind und ob ein Einsatz zielgerichteter, teurer Medikamente sinnvoll ist.

Raus aus dem Elfenbeinturm

Auf die Idee zum Diagnostikum kam der Forscher über die Entdeckung eines neuen Zelltodes in Krebszellen.  Ihm war aufgefallen, dass es sehr wichtig ist, zu wissen, ob in einem Tumor anaerobe Zellen entstanden sind oder nicht. Diese Zellen sind besonders resistent gegen herkömmliche Therapien und haben stammzellähnliche Eigenschaften. Derzeit steht ein Leukämie-Testkit, das misst, ob solche Zellen bereits im Blut des Patienten vorhanden sind, kurz vor der CE-Kennzeichnung. Des Weiteren sollen 2017 Ergebnisse einer Studie bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis folgen. Parallel dazu finden Gespräche mit Investoren statt, die es ermöglichen sollen, das Test-Kit in Laboren oder Kliniken, zunächst EU-weit, dann in den USA, einzuführen.