Startup-Interview: vonpfauhausen

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22. Juni 2020

Startup Region Stuttgart hat sich (diesmal online) mit Katharina über ihr nachhaltiges Kindemodelabel sowie ihre Gründung unterhalten. Sie setzt auf coole Designs, Bio-Wolle und Bio-Baumwolle – und möchte so den Kunstfasern und Genderschranken bei Kinderkleidung den Kampf ansagen! Wie vonpfauhausen einen positiven Impact hinterlässt erfahrt ihr im folgenden Interview.
Viel Spaß!

Erzähl mal – wer bist du und was machst du?

Ich bin Katharina und habe das Kindermodelabel vonpfauhausen gegründet. Studiert habe ich Modedesign an der Fachhochschule Reutlingen, damals noch auf Diplom. Zwischendurch war ich im Ausland, habe ein Praktikum in München gemacht und bin dann für meinen ersten Job in Stuttgart gelandet. So bin ich hier in der Region hängengeblieben. Nun bin ich seit vielen Jahren bei einem großen Modelabel in der Produktentwicklung tätig, wo ich für die Produktentwicklung zuständig bin. Nachdem ich meine beiden Kinder bekommen habe, rief ich dann mein drittes Baby ins Leben – das Label vonpfauhausen.

Was steckt hinter deinem Label?

Ich biete Kleidung für Babys und Kleinkinder von 0 bis 6 Jahren an. Der Schwerpunkt liegt auf Wollfleece, da Wolle leicht und superweich ist sowie temperaturausgleichend wirkt. Wir verwenden Bio-Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung, GOTS zertifiziert (=global organic textile standard).

Wie kam es zur Gründung?

Nachdem ich meinen ersten Sohn bekommen habe bin ich zum ersten Mal mit dem Thema Wolle für Kinder in Berührung gekommen. Im Gegensatz zu beispielsweise Nylon ist Wolle sehr atmungsaktiv. Das gleicht super die Temperatur aus und – dank kleiner Lufteinschlüsse – wärmt gleichzeitig sehr gut. Ich habe zu dieser Zeit gemerkt, dass das Angebot an dieser Art Kleidung relativ begrenzt war, auch was das Design und die Marken angeht. Zum einen gibt es wenige Marken, die das anbieten und zum anderen sah es damals extrem einheitlich aus.

Da dachte ich mir – das kann man auch anders machen. Ich wollte eine nachhaltige Alternative anbieten, die lange hält. Der Gedanke ist, dass die Kleidung innerhalb der Familie und auch im Freundeskreis weitergegeben wird. Je länger die Sachen getragen werden, desto besser.

Dann bin ich auf das Sandbox-Programm der HdM Stuttgart gestoßen, welches GründerInnen unterstützt und auch Startups fördert. Nach meiner Bewerbung wurde ich glücklicherweise genommen und konnte teilnehmen. Es wurden einige Workshops und Veranstaltungen angeboten, und ich konnte viele Kontakte knüpfen. Sowohl zu anderen Gründern, aber auch zu UnterstützerInnen. Das war eine gute Chance in die Stuttgarter Startup-Szene reinzuschnuppern.

Würdest du sagen, deine Kinder haben dich inspiriert?

Ja, auf jeden Fall. Da habe ich begonnen mich mit den Bedürfnissen der Kinder, dem Material Wolle sowie der Bedeutung biologischer Materialien auseinanderzusetzen. Außerdem habe ich für mich festgestellt, dass es eben nicht nur Einhörner und Traktoren sein müssen, es aber an Alternativen immer noch mangelt…

Wann hast du denn gegründet?

Das Sandbox-Programm dauerte von September 2018 bis April 2019. Danach kam erst mal die Vorbereitungs- und Produktentwicklungsphase und im Februar 2020 habe ich dann mit dem Online-Shop gestartet.

Du vertreibst also aktuell nur online?

Genau. Das Label gibt es auf meiner Homepage und im Avocado-Store zu kaufen. Ich könnte mir aber auch vorstellen bald mal Produkte in einzelnen Läden zu platzieren. Einen eigenen Store kann ich mir jedoch nicht vorstellen.

Wie war das Gründen für dich?

Zum einen musste ich mich am Anfang mit vielen administrativen Sachen beschäftigen und mich in neue Themen einlesen. Manchmal war ich dann auch mal verunsichert. Gerade das Rechtliche war eine Herausforderung: Namensfindung, Rechtsform wählen, mögliche Förderungen und Kredite, Lieferantensuche etc.

Hast du Tipps zu Events oder Anlaufstellen für andere GründerInnen?

Die IHK ist eine super Anlaufstelle für GründerInnen. Sie bieten teilweise umsonst Info-Veranstaltungen zu diversen Themen an, von steuerrechtlichen Themen bis Marketing. Das ist super für den Anfang!

Auch das Haus der Wirtschaft ist ein guter Tipp. Dort gibt es nicht nur eine Beratung zur Patentanmeldung, es wird auch eine Markenberatung angeboten. Die Mitarbeiter recherchieren zum Beispiel ob es die Marke so oder so ähnlich schon gibt und geben ihre Einschätzung ab. Das hat mir sehr viel geholfen.

Und da fällt mir noch FemPower ein. Die Mädels bieten in Stuttgart unter anderem immer wieder Events an. Zum Beispiel war ich dort mal bei einem Panel Talk, bei dem drei selbstständige Frauen über ihre Gründung gesprochen haben. Im Anschluss gab es ein Networking, was sehr spannend war und Raum zum Kontakte knüpfen bot.

Gab es jemanden oder etwas, was dir besonders beim Gründungsprozess geholfen hat?

Ganz klar mein Mann. Er war die ganze Zeit über dafür, auch wenn so eine Gründung natürlich ein Risiko bedeutet. Man gibt seinen sicheren Job früher oder später auf. Somit entsteht eine doppelte Belastung, natürlich nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie. Trotz allem hat mein Mann mich immer bestärkt, unterstützt und mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Hast du Kontakte zur Stuttgarter Gründer-Community?

Meine Kontakte aus der Sandbox-Zeit bestehen noch, wenn auch eher sporadisch. Aber da ist im Moment gerade jeder so sehr mit seinen eigenen Sachen beschäftigt, dass

wir es leider im Moment kaum schaffen uns zu treffen. Zudem vernetze ich mich gern über Instagram, und da habe ich mich auch schon mit einigen vor allem selbständigen Frauen hier aus der Region getroffen. So ein Austausch ist immer wieder unheimlich wichtig und pusht in gewisser Weise auch!

Was war dein größtes Erfolgserlebnis?

Es ist immer wieder schön eine positive Rückmeldung zu den Produkten zu bekommen! Sowohl von Kunden als auch von Leuten aus der Branche.

Gab es einen großen Fehler, den du gemacht hast, den du rückblickend anders machen würdest?

Es gibt ein paar Formalitäten, die für GründerInnen erstmal neu sind, an die man aber denken muss. Beispielsweise bei einem Umzug daran denken, auch das Unternehmen umzumelden… Zum Glück sind mir aber bisher keine groben Fehler unterlaufen!

Was sind deine Zukunftspläne für vonpfauhausen?

In der Zukunft sehe ich mein Label weiterhin als ein spannendes und nachhaltig agierendes Lifestyle-Label für Kinder und vielleicht sogar auch für die Eltern. Ich wünsche mir mehr Lieblingsteile im Kleiderschrank der Kleinen, um somit den Kunstfasteranteil dort zu reduzieren.

Aber ich hoffe auch, dass mein Label andere Frauen und Gründerinnen motiviert, etwas Neues zu wagen und einfach auszuprobieren. Es soll „empowern“, sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Denn jeder soll die Möglichkeit haben, sich zu verwirklichen, wenn er oder sie es denn möchte.

Weitere Infos über Katharina (Bild oben) und ihr Modelabel findet ihr auf ihrer Website sowie auf Instagram.